Vollkaskoschaden

Die Vollkaskoversicherung ist die Luxusvariante in der Fahrzeugversicherung.

Dies bedeutet aber nicht, dass die Vollkaskoversicherung nur für Fahrzeuge der Luxusklasse sinnvoll wäre. Sie wird vor allem für Neufahrzeuge und werthaltige Gebrauchtfahrzeuge abgeschlossen. Auch Leasingfahrzeuge sind regelmäßig vollkaskoversichert.

Im Schadenfall kommt es darauf an, dass der Geschädigte den Vollkaskoschaden schnellstmöglich melden muss, um ihn zügig reparieren und abwickeln zu können.

 


2 wichtige Gründe für eine Vollkasko-Versicherung


1. Wann lohnt sich eine Vollkaskoversicherung?

Eine Vollkaskoversicherung lohnt sich insbesondere für Neufahrzeuge in den ersten drei bis vier Jahren nach dem Kauf. Je teurer das Auto, desto höher wäre der Schaden nach einem Unfall, wenn das Fahrzeug nicht vollkaskoversichert wäre.

Auch wenn das Auto über einen Kredit finanziert wird, sollte es vollkaskoversichert sein. Andernfalls riskiert der Versicherungsnehmer, dass er seinen Unfallschaden nicht ersetzt bekommt, dennoch aber den Kredit weiter bedienen muss.

Teilkasko oder Vollkasko?

Teilkasko- und Vollkaskoversicherung sollten immer in einem vernünftigen Verhältnis zum Wert des Fahrzeuges stehen. Auch die Grundregel “Neuwagen vollkaskoversichern, ältere Fahrzeuge teilkaskoversichern“ stimmt so nicht”!

Für ältere Fahrzeuge ist die Vollkaskoversicherung nicht unbedingt sinnvoll, da als Wiederbeschaffungswert immer nur der Zeitwert ersetzt wird. Anspruch auf eine Neuwertentschädigung besteht nur bei neuen Fahrzeugen.

Als „neu“ definieren die Versicherer Fahrzeuge bis wenige Monate nach der Neuzulassung oder einer Kilometerleistung bis beispielsweise 1000 Kilometer.

Teilkasko- und Vollkaskoversicherung sollten also immer in einem vernünftigen Verhältnis zum Wert des Fahrzeuges stehen.

Nur in der Vollkasko gibt es einen Schadenfreiheitsrabatt. Bei einer hohen Schadenfreiheitsklasse kann der Beitrag in der Vollkasko ähnlich oder sogar niedriger sein als in der Teilkasko ohne Schadenfreiheitsrabatt. Wenn zudem noch eine Selbstbeteiligung vereinbart wird, lässt sich die Prämie in der Vollkasko zusätzlich reduzieren.

2. Nicht jeder Schaden ist ein Vollkaskoschaden

Mit der Vollkaskoversicherung ist gewährleistet, dass sich das versicherte Fahrzeug nach einem Vollkaskoschaden reparieren lässt und vollständig wiederhergestellt werden kann.

Ein Schaden zu Lasten des Halters oder Eigentümers wird vermieden . Dies bedeutet natürlich nicht, dass jeder Schaden gleich welcher Art oder ungeachtet seiner Verursachung ersetzt wird.

Wäre der Vollkaskoschutz allumfassend, könnte ein Kfz-Halter versucht sein, seinen vollkaskoversicherten Wagen mal eben an den Baum zu fahren, um sich mit Hilfe der Entschädigungsleistung des Vollkaskoversicherers ein neues Fahrzeug anzuschaffen.

Dass das nicht sein kann, leuchtet ein. Deshalb ist es wichtig, Inhalte und Grenzen einer Vollkaskoversicherung zu kennen. Nur so lässt sich ein Vollkaskoschaden interessengerecht reparieren und problemlos abwickeln.


6 Fakten zum Ablauf im Schadensfall


1. Wie können Fahrzeugklinik Partnerwerkstätten helfen?

Um einen Unfallschaden wirtschaftlich sachgerecht abzuwickeln, sollte der Halter die Vereinbarungen in seiner Versicherungspolice verstehen können.

Nach Maßgabe des Gesetzes können auch die Fahrzeugklinik Partnerwerkstätten Hilfeleistung gewähren. Gemäß § 5 Rechtsdienstleistungsgesetz ist es uns erlaubt, Rechtsinformationen im Zusammenhang mit einer Autoreparatur anzubieten, soweit der Vollkaskoschaden reparieren lediglich neben unserer eigentlichen Leistung erbracht werden.

So können wir für Sie folgenden Service anbieten:

  • die Kontaktaufnahme mit dem Versicherer herstellen
  • den Schaden melden
  • alle notwendigen Unterlagen bereitstellen
  • die Reparaturkostenübernahmeerklärung des Versicherers einholen
  • .

Geht es darum, das Sachverständigengutachten nachzuvollziehen, können die Fahrzeugklinik Partnerwerkstätten beraten, welche Art der Schadensabrechnung im Fall des Kunden aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist.

Erscheint jedoch problematisch, ob überhaupt ein Kaskoschaden vorliegt, sollte der Kunde natürlich einen Rechtsanwalt einschalten.

2. Wie ist das bei Leasingfahrzeugen?

Bei Leasingfahrzeugen holt die Fahrzeugklinik Partnerwerkstatt die Freigabe des Leasinggebers sowie des Vollkaskoversicherers zur Reparatur des Fahrzeuges ein. Zudem sichert die Fahrzeugklinik Partnerwerkstatt unabhängig von der normalen Gewährleistungsfrist von zwei Jahren insgesamt auch beim Leasing 36 Monate Garantie auf die Ersatzteile zu.

3. Warum sollte der Kunde seine Entschädigungsleistung von der Versicherung abtreten?

Will der Versicherungsnehmer seinen Vollkaskoschaden reparieren lassen, muss er normalerweise die Reparaturkosten für sein Fahrzeug aus eigener Tasche vorzufinanzieren.

Lässt er den Vollkaskoschaden in einer Fahrzeugklinik Partnerwerkstatt reparieren, kann er seinen Entschädigungsanspruch gegen den Versicherer an die Fahrzeug Partnerwerkstatt abtreten. Gleichzeitig kann er die Werkstatt beauftragen, mit dem Versicherer Kontakt aufzunehmen und eine Kostenübernahmeerklärung zu erbitten.

Dann kann die Fahrzeugklinik Partnerwerkstatt die Reparaturkosten direkt mit dem Kaskoversicherer abrechnen. Gleichermaßen kann beim Leasing verfahren werden.

4. Wo liegt der Vorteil, eine Fahrzeugklinik Reparaturwerkstatt zu beauftragen?

Eine Fahrzeugklinik Reparaturwerkstatt können wir den Vollkaskoschaden nach der MIR-Methode in vielen Fällen kostengünstiger reparieren. Unterhalb der Selbstbeteiligung braucht die Versicherung so überhaupt nicht erst beansprucht zu werden.

Das Formular „Kostenvoranschlag einreichen“ verschafft dem Kunden eine erste Einschätzung. Damit kann der Kunde feststellen, ob er den Schaden überhaupt der Versicherung melden sollte oder zumindest Bagatellschäden selbst bezahlt und damit seinen Schadenfreiheitsrabatt erhält.

Wichtig:
Ist im Versicherungsvertrag eine Selbstbeteiligung vereinbart, kann die Werkstatt diese dem Kunden nicht erlassen, da der Versicherer den Selbstbeteiligungsbetrag von der Entschädigungsleistung an die Werkstatt abzieht.

Eine Werkstattbindung im Versicherungsvertrag ist kein Hindernis!

Die Fahrzeugklinik kann auch hier helfen, da die Fahrzeugklinik Partnerwerkstätten zu allen großen Versicherern vertragliche Beziehungen unterhalten.

5. Vollkaskoversicherung enthält alle Module der Teilkaskoversicherung

Zum Verständnis vorab:
Die Vollkaskoversicherung baut auf der Teilkaskoversicherung auf. So ist der vollständige Versicherungsschutz der Teilkaskoversicherung auch in der Vollkaskoversicherung enthalten.

Die Teilkaskoversicherung schützt bekanntlich gegen Beschädigung, Zerstörung und Verlust des eigenen Fahrzeuges und bestimmter Fahrzeugteile.

Wer teilkaskoversichert ist, wird in folgenden Fällen entschädigt:

  • wenn das Fahrzeug durch Diebstahl, unbefugter Gebrauch, Raub und Unterschlagung entwendet wird
  • unmittelbare Einwirkung von Brand, Explosion, Sturm Hagel, Blitzschlag und Überschwemmung.
  • Beschädigung durch einen Zusammenstoß mit sich in Bewegung befindlichem Haarwild

Der Deckungsumfang der Vollkaskoversicherung umfasst also alle Module der Teilkaskoversicherung. Insoweit verweist A.2.3. AKB auf den Versicherungsumfang der Teilkasko nach A.2.2..

6. Wo finde ich grundsätzliche Informationen zur Fahrzeugversicherung?

Teilkasko- und Vollkaskoversicherung sind Untertitel des Oberbegriffs der Fahrzeugversicherung (Kaskoversicherung). Sie sind im Zusammenhang mit der Kfz-Haftpflichtversicherung zu verstehen.

Wegen der Entschädigungsvoraussetzungen in der Teilkaskoversicherung wird auf die Ausführungen im Text Teilkaskoversicherung verwiesen.

Gleiches gilt für die grundsätzlichen Informationen zur Fahrzeugversicherung, die für die Vollkaskoversicherung genauso gelten wie für die Teilkaskoversicherung.


Die 3 wichtigsten Informationen zum Vollkasko-Schutz


1. Worin besteht der weitergehende Deckungsschutz der Vollkaskoversicherung?

Die Vollkaskoversicherung geht über den Schutz der Teilkaskoversicherung hinaus. So kommt insbesondere die Versicherung von Unfallschäden am eigenen Fahrzeug sowie Schäden durch mut- oder böswillige Handlungen betriebsfremder Personen hinzu.

  • Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass sich in der Vollkaskoversicherung auch ein Vollkaskoschaden am eigenen Fahrzeug reparieren lässt, der durch einen vom Fahrer oder Halter selbstverschuldeten Unfall entstanden ist (Beispiel: Fahrer fährt rückwärts aus der Parklücke und beschädigt das Nachbarfahrzeug. Seine Haftpflichtversicherung zahlt den Fremdschaden, den eigenen Schaden erhält er nur ersetzt, wenn er vollkaskoversichert ist).
  • Ersetzt werden Schäden aus einem fremdverschuldeten Unfall, die die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers nicht oder nur teilweise ersetzt. (Beispiel: Anrechnung eines Mitverschuldens des vollkaskoversicherten Halters. Fahren zwei Fahrer gleichzeitig aus gegenüber liegenden Parkplätzen und stoßen zusammen, müssen sich beide ein Mitverschulden anrechnen lassen).
  • Schäden, die ohne Beteiligung eines anderen Unfallgegners entstanden sind. (Beispiel: Der Fahrer schrammt aus Schreck die Leitplanke, um einem regulär überholenden Fahrzeug auszuweichen).
  • Schäden, die die Teilkaskoversicherung nicht ersetzt. (Beispiel: Wildschaden ohne Beteiligung von Haarwild. Oder Wildschaden, bei dem das versicherte Fahrzeug nicht in Bewegung war).
  • Schäden durch Vandalismus und blanke Zerstörungswut.(Beispiel: Abgeknickte Antenne, Kratzspuren im Lack).

2. Welches sind die Voraussetzungen eines Vollkaskoschadens?

Nicht jeder Vollkaskoschaden lässt sich reparieren und nicht jeder Unfallhergang begründet einen Vollkaskoschaden. Im folgenden die Punkte, die gegeben sein müssen, damit ein Vollkaskoschaden begründet ist:

a. Es muss technisch ein „Unfall“ vorliegen

Nach A.2.3.2. AKB sind nur Unfälle versichert, die auf ein „unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis“ hervorgerufen werden. Jedes dieser Tatbestandsmerkmale: – unmittelbar, von außen, plötzlich, mechanische Gewalt – muss im Schadensfall nachgewiesen werden, um versicherungstechnisch einen Unfall zu begründen.

Mechanische Gewalt beinhaltet, dass durch Druck oder Zug auf das versicherte Fahrzeug eingewirkt wird. Chemische Einwirkungen (Niederschläge aus der Chemiefabrik verätzen den Fahrzeuglack) begründen keinen Unfallschaden.

Kein Unfallschaden und damit kein Vollkaskoschaden liegt vor im Falle von:

  • Schaden aufgrund eines Bremsvorgangs: Der Fahrer vollzieht eine Notbremsung, so dass der Reifen platzt. Hier fehlt es am Unfallmerkmal des von außen einwirkenden Ereignisses.
  • Schaden aufgrund eines Betriebsvorgangs: Der Fahrer schaltet in der Vorwärtsbewegung in den Rückwärtsgang und fetzt das Gewebe;
  • Bruchschaden: Getriebe oder Motor versagen infolge Verschleiß, Überlastung oder Materialfehler den Dienst (hier hilft allenfalls die Gewährleistungs- oder Garantiehaftung des Verkäufers);
  • Schäden am Fahrzeug durch rutschende Beladung (Delle an der Bordwand im Kofferraum);
  • Schäden durch Bedienungsfehler oder Überbeanspruchung des Fahrzeuges (Fahrer startet den Anlasser in den bereits laufenden Motor);
  • Schäden zwischen dem Zugfahrzeug und dem Anhänger ohne Einwirkung von außen: Beim Rangieren oder Wenden eines Gespanns beschädigt der Fahrer das eigene Fahrzeug oder den Hänger.
Ausnahmen:

Betriebs-, Brems- und Bruchschäden sind wiederum vollkaskoversichert, soweit sie auf mut-oder böswillige Handlungen betriebsfremder Personen zurückzuführen sind. Beispiel: Ein böser Zeitgeist manipuliert die Bremsschläuche, so dass der Fahrer verunfallt.

Hier kommt es auf das Merkmal „betriebsfremde Person“ an.

  • Definition betriebsfremde Person:

    Eine Person ist nicht betriebsfremd, wenn sie berechtigt ist, das Fahrzeug zu führen.

    Nach A.2.3.3. AKB gehören dazu Personen, die vom Verfügungsberechtigten des Fahrzeugs (Halter, Fahrer) mit der Betreuung des Fahrzeuges beauftragt wurden (Kfz- Mechaniker, Hotelangestellter, Überführungsfahrer) oder zu ihm in einem Näheverhältnis stehen (Familienangehöriger, Haushaltsangehöriger, Arbeitnehmer).

In diesen Fällen kommt eine persönliche Haftung des Schädigers oder dessen privater Haftpflichtversicherung in Betracht.

b. Keine Versicherungsleistung bei vorsätzlich oder grob fahrlässigem Verhalten

Ist ein Unfall nachzuweisen, kann der Versicherer immer noch die Leistung verweigern oder kürzen, wenn der Unfall infolge eines vorsätzlich oder grob fahrlässigen Fehlverhaltens des Versicherungsnehmers oder des Fahrers nachzuweisen ist. Die Rechtsgrundlage findet sich in § 81 Versicherungsvertragsgesetz.

  • Definition Vorsatz:

    Vorwurf Vorsatz:

    Nach § 81 I VVG ist der Versicherer nicht zur Leistung verpflichtet, wenn der Versicherungsnehmer vorsätzlich den Versicherungsfall herbeiführt.

    Beispiel: Karl Müller hat genug vom Leben. Er fährt mit seinem vollkaskoversicherten Fahrzeug gegen den Baum. Er überlebt und will den Vollkaskoschaden melde und reparieren lassen.

    Die Vollkaskoversicherung verweigert die Entschädigungsleistung für das beschädigte Fahrzeug, weil Karl Müller vorsätzlich gehandelt hat und keine plausiblen Gründe vortragen kann, weshalb er mit dem Baum kollidiert ist.

  • Definition grobe Fahrlässigkeit:

    Nach § 81 II VVG ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen, wenn der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbeigeführt hat.

    Bis zur VVG-Reform 2008 konnte der Versicherer seine Leistung auch bei grob fahrlässigem Fehlverhalten vollständig verweigern. Es galt das “Alles oder Nichts-Prinzip”.

    Die Abstufung nach leicht, mittel oder grob fahrlässigem Verhalten warf beim Abwickeln eines Vollkaskoschadens enorme Probleme auf und provozierte Rechtsstreitigkeiten durch sämtliche Instanzen.

    Um der Lebenswirklichkeit näher zu kommen, führt eine fahrlässige Pflichtverletzung des Versicherungsnehmers nunmehr zu einer dem Verschuldungsgrad angemessen Leistungskürzung. Dies bedeutet, dass bei grober Fahrlässigkeit die Entschädigungsleistung stark gekürzt, bei mittlerer Fahrlässigkeit mäßig und bei leichter Fahrlässigkeit nur gering gekürzt wird.

    Immerhin lässt sich ein Vollkaskoschaden so zumindest melden und teilweise noch abwickeln.

Die Rechtsprechung definiert grobe Fahrlässigkeit als eine “besonders schwere Verletzung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt”. Es ist nicht relevant, ob derjenige, der grob fahrlässig handelt, sich seines Verhaltes vollumfänglich bewusst ist, sondern darauf, ob objektiv ein solcher Verstoß gegen die erforderliche Sorgfalt vorliegt. Grob fahrlässig handelt also derjenige, der nicht bedenkt, was unter den gegebenen Umständen jedem vernünftigen Menschen einleuchten müsste und dennoch die erforderliche Sorgfalt gröblich und in hohem Grade außer Acht lässt.

Typische Beispiele:

Trunkenheitsfahrt:

Wer mit 1,1 Promille Auto fährt und einen Unfall verursacht, handelt grob fahrlässig. In einer BGH-Entscheidung (Urteil v. 22.6.2011 – IV ZR 255/10) wurde die Entschädigungsleistung der Vollkaskoversicherung wegen eines Promillespiegels von 2,70 sogar auf Null gekürzt. Das Oberlandesgericht Hamm (Urteil v. 25.8.2010 – 20 U 74/10) reduzierte wegen einer Blutalkohol-Konzentration ab etwa 0,3 Promille die Leistungen des Vollkaskoversicherers um 50 Prozent.

Weitere Beispiele:

Missachten des Rotlichts einer Ampelanlage; Sekundenschlaf; Telefonieren mit dem Handy am Steuer; überhöhte Geschwindigkeit; riskantes Überholmanöver; Fahren mit Sommerreifen im Winter; Unfallflucht.

Ausnahmefälle:

Fälle des Augenblicksversagens: Hört eine Fahrerin unbekannte Würgegeräusche ihres Babys auf dem Rücksitz und dreht sich erschrocken um und verreißt das Lenkrad, muss die Vollkaskoversicherung den Unfallschaden zahlen (OLG Brandenburg 2 U 94/96); Schichtarbeiter schläft am Steuer ein (OLG Schleswig 7 U 143/99).
Hier wird dem Autofahrer zugute gehalten, dass ihm lediglich eine momentane Unaufmerksamkeit unterlaufen ist, die durchaus passieren kann.

Hier fehlt es am „gesteigerten personalen Verschulden“. Entsprechende „in der Individualität des Autofahrers begründete Umstände können geeignet sein, die subjektive personale Seite der Verantwortlichkeit geringer als grob fahrlässig einzustufen“.

Tipp: Will der Versicherungsnehmer in diesen Fällen seinen Vollkaskoschaden melden, reparieren und abwickeln, muss er genau wissen, wie er seinen Anspruch begründet. Grundlage sind bereits die Feststellungen in der Polizeiakte.

3. Wie ist das mit der Hochstufung nach einem Vollkaskoschaden?

Wird die Vollkaskoversicherung in Anspruch genommen, ändert sich die Schadenfreiheitklasse. Gleiches gilt für die Kfz-Haftpflichtversicherung. Der Versicherungsnehmer muss künftig eine höhere Prämie zahlen als bisher.

In der Teilkaskoversicherung gibt es übrigens keine Schadenfreiheitklassen. Die Hochstufung in der Vollkaskoversicherung erfolgt unabhängig davon, ob der Versicherungsnehmer den Unfall verschuldet hat oder nicht. Die Hochstufung erfolgt bei jedem von der Versicherung bezahlten Schaden.

Die Hochstufung (je nach Sichtweise auch als Herab- oder Rückstufung bezeichnet) kann dazu führen, dass der Versicherungsnehmer erst nach vielen Jahren seine alte Schadenfreiheitsklasse wieder erreicht.

In diesen Fällen ist es wirtschaftlich sinnvoll, genau nachzurechnen, ob es sich möglicherweise lohnt, den Schaden aus eigener Tasche zu bezahlen und die günstige Schadenfreiheitsklasse zu behalten.

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